Feb. 4, 2018: Epiphany 5B (Deutsche)

Epiphany 5B, 2018. Zion Baltimore.
Isaiah 40:21-31; Psalm 147:1=11, 20c; 1 Corinthians 9:16-23; Mark 1:29-39
Pastor Eric Deibler

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.

Ich weiß nicht, wie es Euch damit geht, aber ich freue mich auf die Olympiade. Insbesondere mag ich die Winterspiele. Schlittschuhlaufen, Skilaufen, Bobschlitten, Rodelbahn… Ich habe es auch gelernt, die neueren Sportarten zu genießen, wie Snowboarden, z.B. Obwohl ich gestehen muß: Curling lässt mich kalt.

Ich würde mich nie mit einem olympischen Sportler vergleichen. Aber ehrlich gesagt gibt es ein Unternehmen, das fast genau die gleiche Hingabe benötigt; das gleiche Niveau von Beharrlichkeit und Antrieb. Der Versuch, mit Altersgenossen ein gemeinsames Treffen zu arrangieren. Die Schwierigkeit dieses Unternehmens liegt nicht an einem Mangel an Interesse. Noch liegt es an einem Mangel an Versuchen. Die Tatsache ist, daß es heutzutage einfach nicht mehr möglich, sich spontan zu treffen. Wenn man versucht, etwas zu planen, ist es fast selbstverständlich, daß man sich gar nicht erst bemüht, einen Termin in der laufenden Woche zu finden. Der Standard ist, daß man mindestens zwei Wochen im Voraus planen muß. Es sei denn, daß man sich mit jemandem treffen möchte, der für die Arbeit viel reisen muß, im welchen Fall man drei Wochen im Voraus planen muß. Alle Leute sind einfach ständig beschäftigt.

Ich gebe zu, davon geträumt zu haben, daß Alles sich mindestens ein Bißchen verlangsamen würde, nachdem alle Kinder aus dem Haus raus waren. Aber, nein. Man muß sich nur kurz mit unseren älteren pensionierten Mitgliedern unterhalten, um zu entdecken, daß sie sich genauso überbeschäftigt fühlen. Es fühlt sich so an, als ob wir nicht mehr das eigene Leben führen, sondern daß wir kaum das Leben meistern, das auf uns zuströmt. Man gewöhnt sich endlich an den Supercomputer, den man in der Tasche trägt, der übrigens auch doppelte Dienst leistet als Telefon, und entdeckt dann, daß die Technologie schon veraltet ist. Man erlaubt der Software im Computer, sich die neuste Ausgabe runterzuladen, und dann funktioniert Alles nicht unbedingt wie vorher. Man wechselt immer wieder die Krankenversicherung, denn sie wird immer teurer, und plötzlich wird nicht alles bedeckt wie früher. Oder dein Arzt ist nicht mehr im Netzwerk. Oder der Selbstbeteiligungsbetrag ist verdoppelt…

Die Nachrichten sind auch keine Hilfe: Skandale, Spaltungen, Kriege und Kriegsgeschrei, Naturkatastrophen, Ehescheidungen von Berühmtheiten aus jeder Ecke der Erde… Bittet man jemanden um eine aufrichtige, ehrliche Beurteilung davon, wie es ihnen geht, und 90% der Leute werden irgendwann das Wort „überwältigt“ oder sein Synonym benutzen. Es gibt ein durchdringendes Gefühl, daß unsere Existenz auf einen Dauerzustand der Raserei aufgedreht wurde. Es ist zu viel, und zu schnell, Zu leicht wird das Leben zu nichts mehr als unendlichem Lärm. Statt das Leben zu führen, schaffen wir es gerade eben, all unseren Kramm zu erledigen; alles gerade eben in der Balance zu halten.
Und da kommt Jesus, der anscheinend nur von einer Sache zu der nächsten geht, von Bedürfnis zu Bedürfnis, von Ort zu Ort. Die Lesung fängt an mit der Zusammenfassung von der Lesung letzter Woche, als Jesus sein ersten öffentlichen Dienst auf eine große Art und Weise anfing: er übertraf die Lehre der Schriftgelehrten und trieb einen unreinen Geist aus einem Mann aus, mit einem einfachen, kurzen Befehl. Dies wird von Seelsorge in einer intimeren Umgebung gefolgt, wenn die Schwiegermutter des Simon durch eine persönliche Begegnung mit Jesus geheilt wird. Dann gibt es wieder eine große Aktion: „…sie brachten zu ihm alle Kranken und Besessenen. 33 Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür. 34 Und er half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren, und trieb viele böse Geister aus und ließ die Geister nicht reden; denn sie kannten ihn.“ Danach kann Jesus endlich dem Ganzen entkommen und etwas Zeit für sich nehmen. Zeit zum Beten, zum Reflektieren, und zum Wiederaufladen. Dann suchen ihn die Jünger nach ihm, und das Ganze fängt wieder von vorne an. Es ist ein echt hektischer Tagesplan.

Aber für uns ist es auch eine Gelegenheit, die Spiritualität Jesu zu verstehen. Wir haben die Chance zu sehen, wie er sein Leben führt, und wir er seinen Glauben praktizierte in einer Welt voller überwältigender Ansprüche. Wir haben die Chance zu sehen, wie der Schnittpunkt zwischen dem Heiligen und dem Menschlichen aussieht. Wenn wir nicht vorsichtig sind, ist es allzu einfach, von den erdrückenden Erfordernissen des Dienstes und des Lebens im Allgemeinen überwältigt und ausgelaugt zu werden. Was Jesus uns zeigt, ist, wie ein balancierter Dienst aussieht.

Es ist ein Vorbild, das auch Teil der pädagogischen Philosophie von Gettysburg Seminary war: Dieses Vorbild basiert auf Aktion und Reflektion. Genauso wie bei Gesetz und Evangelium muß beides vorhanden sein. Aktion ohne Reflektion ist wie ein Schiff ohne Ballast: Es droht mit Versenkung durch Enttäuschung. Auf der anderen Seite ist Reflektion ohne Aktion träge. Es braucht Interaktion mit der Welt, um ernährt zu werden und zu ernähren.

Ein barmherziges, von Jesus geleitetes Leben zu führen, heißt, daß es Druck und schwierige Entscheidungen geben wird. Das passierte Jesus; das wird auch uns passieren. Wir sollen davon nicht überrascht sein.

Obwohl jede Gemeinde und jeder Pastor anders sind, gibt es doch viele Ähnlichkeiten. Wir Pastoren tendieren alle zur gleichen Art von Sonntagmorgen. Nach dem Gottesdienst am Ausgang hören wir die Geschichten: von entzündeten Gallenblasen, Graduierungen, Krebs, erwartungsvoller Hoffnung auf ein neues Enkelkind. Wir beteiligen uns an Ausschusstreffen nach dem Gottesdienst. Wir verbringen etwas Zeit in Privatunterhaltung mit jemanden, dem es zurzeit schwer ergeht. Vielleicht machen wir am Nachmittag Krankenhausbesuche. Auf jeden Fall hören wir von einer unglaublichen Vielfalt an Erfahrungen innerhalb eines typischen, arbeitsreicheren Tages.

Es ist aber nicht betriebsarmer als das Elternsein, mit dem Jonglieren von Arbeit und Kinderaktivitäten. Man muß gleichzeitig die Kinder von Fußballspiel abholen und bei dem Hauseigentümertreffen sein. Ganz zu schweigen von Wäsche waschen, Abendessen machen, und Rechnungen bezahlen.

Für viele von uns ist das die Landschaft, mit der wir jeden Tag umgehen müssen, und vieles davon scheint in Stein gewetzt zu sein. So kommt das Leben auf uns zu, und wir müssen lernen, dieses Leben zu akzeptieren.
Wir können nicht das Leben davon abhalten, auf uns zuzukommen; wir können jedoch aufmerksam sein auf dem Leben, das uns gegeben wird. Das heißt, daß wir unsere Beziehung mit Gott pflegen müssen.

Jesaja erinnert uns: „28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 29 Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Einer der Kommentare, die ich über diesen Text gelesen habe, betonte, daß moderne Übersetzungen es nicht ganz schaffen, den Kernpunkt der ersten Hälfte vom letzten Vers richtig zu kommunizieren. Der Vers schildert nicht einen Adler, der die Flügel ausbreitet um loszufliegen und in die Höhe zu steigen, sondern einen Adler, der in der Mauser ist und neue Flügel für die alten austauscht.

Ich habe das Gefühl, daß Jesus genau das tut, wenn er sich von den Jüngern und Mengen entfernt, um in der Stille zu beten. Beim Pflegen seiner Gebetspraxis findet er eine Perspektive, die über das Getümmel hinwegblickt. Er entdeckt neue Energie, um die erschöpfende Arbeit des Dienstes weiterzuführen, als ob er neue Flügel bekommt, um wieder losfliegen zu können.

Die Lesungen von Jesaja und Markus sind eine Studie in Kontrast. Jesaja präsentiert uns mit einer großen allumfassenden Vision von dem Gott des Kosmos. „21 Wisst ihr denn nicht? Hört ihr denn nicht? Ist's euch nicht von Anfang an verkündigt? Habt ihr's nicht gelernt von Anbeginn der Erde? 22 Er thront über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken; er spannt den Himmel aus wie einen Schleier und breitet ihn aus wie ein Zelt, in dem man wohnt; 23 er gibt die Fürsten preis, dass sie nichts sind, und die Richter auf Erden macht er zunichte: 24 Kaum sind sie gepflanzt, kaum sind sie gesät, kaum hat ihr Stamm eine Wurzel in der Erde, da lässt er einen Wind unter sie wehen, dass sie verdorren, und ein Wirbelsturm führt sie weg wie Spreu.“

Wisst ihr denn nicht? Hört ihr denn nicht? Der Herr ist größer, und stärker, und noch unmöglicher zu erfassen, als Du es dir überhaupt vorstellen kannst! Der Gott, der hier beschrieben wird, ist die Verkörperung absoluter Macht. Die meisten von uns tendieren dazu, Gott so zu sehen: GROß!!! Wie soll man dann einen Gott erfassen, der unfassbar zu sein scheint? Das zeigt uns Markus. Und dies ist der Stelle wo der Kontrast so deutlich ist.

Der unfassbare, unbegreifliche Gott, den Jesaja beschreibt, wird in den einfachsten, intimsten Situationen erfahren. In der Privatsphäre von jemandes Zuhause, im Schlafzimmer einer Frau, die mit Fieber krankliegt. Es passiert mit der kleinsten, einfachsten Geste: er fasste sie bei der Hand und richtete sie auf. Der riesengroße Gott Jesajas findet es nicht unter seine Würde, sich um uns zu kümmern.

Jesus hat nicht nur das kommende Gottesreich angekündigt, seine Jünger zusammengerufen, und böse Geister ausgetrieben – und all das im ersten Kapitel – er verlangsamt sich auch, um sich um eine mit Fieber leidende Frau zu kümmern, und danach, um eine nach der anderen zu heilen, alle aus der Umgebung, die krank oder besessen waren. Unsere relativ kleinen Probleme sind nicht unbedeutend für den Gott, der sich um den Kosmos kümmert.

Der allmächtige Gott, dessen Lob Jesaja singt, ist unermüdlich dabei, die ganze Schöpfung zu erhalten, die Schwachen zu stärken, und die Gefallenen zu erneuern. Und die Art, auf die Gott das am meisten macht, ist…? Daß er durch unsere Mitmenschen arbeitet. Jesus hat die Schwiegermutter Simons nicht nur geheilt. Er hat sie auch ihrer Berufung zurückgegeben, welche am Ende das Vorbild der Jüngerschaft ist: das Dienen. Jüngerschaft, das Dienen im Namen Jesu, ist harte Arbeit.

Wenn wir unsere Beziehung mit Gott nicht pflegen, und Zeit mit Beten und Reflektion verbringen, ist es allzu leicht auszubrennen. Denn nach einer Zeit sehen wir die Taten Gottes nicht mehr. Wir sehen nur noch unsere eigene Geschäftigkeit und Erschöpfung. Separate Zeit zu verbringen, gibt uns die frischen Augen, die wir brauchen, um Gottes Aktivität in unsere Mitte zu sehen.

Wohin schauen wir, um den Gott zu sehen, der „über dem Kreis der Erde thront… und den Himmel wie einen Schleier ausbreitet“? Wir schauen nach den alltäglichen Taten des Dienstes, der Fürsorge, und des Opfers, die wir um uns rum sehen. Was bedeutet, daß unsere anscheinend gewöhnlichen Leben in jedem Moment die Bühne für die Aktivität des Heiligens Israels sein können, während Gott diese Welt weiter liebt und segnet… durch uns!

Seht ihr denn nicht? Hört ihr denn nicht? Der allmächtige Herr, unser Gott, arbeitet in dir, mit dir, und durch dich, um die Menschen und die Welt, die Gott so sehr liebt, zu versorgen. Der Kernpunkt der Verheißung Gottes an uns heute heißt, daß Gott weiter durch uns arbeitet – jede und jeden von uns, Frauen und Männer, Alte und Jugendliche, mit gesundem Geist im gesunden Körper, und auch diejenigen, die mit Krankheit oder Behinderung zu tun haben. Gott wird durch uns fabelhafte Dinge tun.

Wir alle haben die Gelegenheit, die kreative, heilende, restaurierende Hand Gottes zu spüren und, wie die Schwiegermutter Simons, mit Dienst zu antworten. Gott ist immer noch am Werk, durch Euch und eure alltäglichen Taten des Dienstes und Opfers. Danke für eure Treue zu dieser Berufung. Ihr seid auch die Jünger Christi.
AMEN

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

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