April 7, 2019: Lent 5C (Deutsch)

Lent 5C, 2019. Zion, Baltimore
Isaiah 43:16-21; Psalm 126; Philippians 3:4b-14; John 12:1-8
Pastor Eric Deibler

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.

Alle Leute mögen eine gute Geschichte. Sie bringt uns zum Lachen. In meiner Familie väterlicherseits wurden wir mit einer langen Linie von begabten Geschichtenerzählern gesegnet. Es gab, z.B. den Großonkel meines Vaters namens Clint. Er und sein Bruder erzählten von ihrer Reise von Snydertown, PA bis nach Kalifornien mit ihrem Ford Model A.

Die Reise war nett genug. Das Problem kam, als sie zurückmussten und durch die Wüste von Kalifornien fahren sollten. Sie behaupteten, ein Polizist habe sie angehalten und ihnen gesagt, sie dürften die Wüste nicht überqueren, denn sie sei zu heiß. Sie protestierten, daß sie unbedingt wieder nach Pennsylvania müssten. Der Polizist gab nach, aber nur unter der Bedingung, daß sie nicht weniger als 100 Stunden-Meilen fuhren, damit die Reifen kein Feuer fangen würden. Also haben sie das angeblich gemacht. Sie haben die Wüste von Kalifornien mit 100 Stunden-Meilen überquert. In einem Ford Model A.

Geschichten können uns zu Tränen bringen. Angeblich wurde Earnest Hemingway mal herausgefordert, eine möglichst kurze Geschichte zu schreiben, und er schuf eine mit nur sechs Worten: „Zum Verkauf: Baby Schuhe. Nie getragen.“

Geschichten tun aber mehr, als uns zu unterhalten oder uns emotional auszuweiten. Geschichten sagen uns, wer wir sind. Jede Familie hat Geschichten, die rumgereicht werden und, wenn die Zeit kommt, weitergereicht werden, und sie werden zum Teil unserer Familien-DNA. Sie informieren uns über unsere Herkunft. Wir erlauben es ihnen, uns auf verschiedene Arten und Weisen zu definieren.

Daher ist die Lesung von Jesaja ziemlich bemerkenswert. Sie fängt an mit der Erzählung der Rettung Israels, als sie ihrer Gefangenschaft in Ägypten entflohen sind. (Jesaja 43:16-18) „So spricht der HERR, der im Meer einen Weg und in starken Wassern Bahn macht, 17 der ausziehen lässt Wagen und Rosse, Heer und Macht, dass sie auf einem Haufen daliegen und nicht aufstehen, dass sie verlöschen, wie ein Docht verlischt: 18 Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige!“

Jesaja erinnert sie an die Geschichte ihrer Geburt als das Volk Gottes. Er bezieht sich zurück auf den Exodus Israels aus Ägypten, um Israel daran zu erinnern, daß Gott derjenige war „der im Meer einen Weg und in starken Wassern Bahn [gemacht hat]“. Und Gott war derjenige, der die Ägypter mitten in das ausgetrocknete Rote Meer lockte und die aufgetürmten Gewässer wieder auf die Armeen des Pharaos einstürzen ließ. Sie starben alle, „sie verlöschen, wie ein Docht verlischt“. Israels gesamte nachfolgende Geschichte und Identität waren auf dieser mächtigen Tat der Erlösung durch ihren Gott Gottes gegründet. Sie würden gar nicht existieren, hätte es diesen himmlischen Eingriff nicht gegeben.

Daher sind die Worte Jahwes so erstaunlich: „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige!“ Warte mal! War das Vergessen der Rettung Israels nicht genau die Sünde, die zum Exil geführt hat? Psalm 106 ist eine klassische Beschreibung des fatalen Vergessens Israels.

(Psalms 106:9-15) Er schalt das Schilfmeer, da wurde es trocken,
und führte sie durch die Tiefen wie durch trockenes Land
10 und half ihnen aus der Hand dessen, der sie hasste,
und erlöste sie von der Hand des Feindes.
11 Und die Wasser ersäuften ihre Widersacher,
dass nicht einer übrig blieb.
12 Da glaubten sie an seine Worte
und sangen sein Lob.
13 Aber sie vergaßen bald seine Werke,
sie warteten nicht auf seinen Rat.
14 Und sie wurden lüstern in der Wüste
und versuchten Gott in der Einöde.
15 Er aber gab ihnen, was sie erbaten,
und sandte ihnen genug, bis ihnen davor ekelte.

Jahwe hat Israel immer wieder ermahnt, nicht zu vergessen. Wieso sagt Jahwe dann jetzt, daß sie das Vorige nicht beachten sollen? Warum sollte Gott sagen, sie sollen das vergessen? Der Grund für Gottes Aufruf, die Vergangenheit zu vergessen, ist, daß Gott will, daß sie sich auf der Zukunft konzentrieren sollen. „Gedenkt nicht an das Frühere“ ist eine übertreibende Art zu sagen, daß Israel seine Hoffnung auf die zukünftigen Taten Gottes setzen soll. Vielleicht haben sie wegen des Exils angefangen zu denken, daß Erlösung nur eine Sache der Vergangenheit sei. Ihre besten Tage lagen hinter ihnen. Gott, aus irgendeinem Grund, kann jetzt nichts tun. Es gab keine Hoffnung für einen neuen Exodus.

Jedoch genau das verspricht Gott ihnen – einen Exodus, aber umgekehrt. Der Gott, der „im Meer einen Weg“ gemacht hat, will nun „einen Weg in der Wüste“ machen. Der Gott, der das Rote Meer austrocknete, will jetzt „Wasserströme in der Einöde“ machen. Der Gott, der das Unmögliche getan hat, als er Israel aus Ägypten rausführte, will noch einmal das Unmögliche tun und Israel aus dem Exil rausführen. Er wird eine Bahn durch all die Meilen brennenden Sandes machen. Er wird sein Volk mit Wasser versorgen. Nicht nur das Brunnenwasser, der aus dem Stein bei Mara geflossen ist, sondern Ströme, Flüsse sogar, die durch das Einöde fließen. Die Wüste wird blühen, wie Jesaia 35 prophezeit, und die wilden Tiere werden sich den Menschen anschließen in ihrem Lob für den Herrn für dieser Wunder.

Gott wird sie wieder retten, nicht weil sie es verdient haben, sondern weil Gott ein Gott der Gnade ist, der den Unwürdigen vergibt. Bloß ein paar Verse später, in Vers 25, ist es ganz betont: „Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“ Gott wird sie aus dem Exil führen und sie mit Wasser für ihre Reise versorgen, auf daß sie „meinen Ruhm verkündigen“ sollen. D.h., Gott erlöst uns immer wieder, nicht weil Gott, sieht wie gut wir sind, sondern weil Gott ein Volk will, das gut wird und sich an der Gnade Gottes erfreut.

„Erkennt ihr's denn nicht?“ (Jesaja 43:19) „Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?“ Unsere Antwort lautet fast immer „Nein, ich erkenne es nicht. Ich erkenne nicht das Neue, welches Gott in meinem Leben, in unserer Welt schafft.“ Wir werden vielleicht mit den Worten des Paulus aus dem 2. Korintherbrief 5:7 erwidern „wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.“

Jedoch sage ich euch, wir können es sehen! Vor vier Jahren haben wir uns ernsthafte Sorgen darum gemacht, daß wir bald unsere Türen permanent schließen müssten. Jetzt heißen wir neue Mitglieder willkommen, und neue Seelsorge springt auf in unserer Mitte.

„18 Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! 19 Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?“ (Jesaja 43:18-19) Wir haben Zeit und Energie investiert, um ein Kinderkirchen-Programm vorzubereiten. Junge Kinder haben jetzt die Möglichkeit, auf altersgemäße Art etwas über das Evangelium zu lernen, mit dem netten Nebeneffekt, daß die Ablenkungen für uns Erwachsenen etwas vermindert werden. Acht Leute sind vorgetreten, um ein Teil dieser neuen Gemeindearbeit zu sein.

„18 Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! 19 Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?“ (Jesaja 43:18-19) Wir haben alle Familien mit Teenagern zu einem Planungstreffen für eine Teen-Gruppe hier eingeladen. (Sie wollen nicht Jugendgruppe genannt werden). Zehn junge Menschen haben sich um den Tisch versammelt. Es gab eine gewaltige Menge Energie unter ihnen und ihren Eltern um dieses neue Projekt. Sie freuen sich sehr auf die Gelegenheit, sich mit Bibelstudium und Glaubensgesprächen zu beschäftigen. bedeutungsvolle Service-projekte auszuführen. Und einfach zusammen zu kommen, um Spaß zu haben. Wann ist das letzte Mal, daß Zion so eine Gruppe hatte?

„18 Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! 19 Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?“ (Jesaja 43:18-19) Vor ein paar Wochen wurde es bei der Gemeindeversammlung von einigen jungen Familien vorgeschlagen, ob wir nicht doch mehr zweisprachige Gottesdienste feiern sollen. Und keiner wurde sauer. Keiner wurde wütend. Der Ton der Präsentation, der Ton der Diskussion bei der Gemeindeversammlung und bei der Kirchenvorstandstreffen, wo die Idee diskutiert wurde, waren vorbildlich. Die Tatsache, daß wir solch eine Veränderung dermaßen ruhig und respektvoll diskutieren konnten, zeigt uns, wie weit Zion in den letzten Jahren gekommen ist. Es herrscht bei uns jetzt eine Hoffnung und Vertrauen, die es ermöglichen, solche neuen Ideen ohne Angst zu überlegen.

„18 Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! 19 Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?“ (Jesaja 43:18-19) Jesaja beruft die Menschen Israels dazu zu glauben, daß Gott etwas Neues schafft, obwohl sie es nicht sehen können. Wir aber können es sehen. Gewiss ist es nicht so was Gewaltiges wie das Gewässer eines Meeres zu trennen und die ganze Armee Ägyptens zu verschlucken. Aber es ist genauso leben-schenkend für Zion wie für Israel.

Unsere Reise haben wir noch nicht vollendet. Das Kreuz und das leere Grab liegen immer noch vor uns. Gott hat was erstaunlich Neues dort geschaffen am Karfreitag und Ostern. Vielleicht können wir den auferstandenen Christus nicht sehen. Wir sehen aber doch, welche Kraft die Auferstehung hat, in unserer Mitte etwas Neues zu schaffen. Also glauben wir daran.

Und die Wiederkehr Christi liegt noch vor uns. Wir können ihn noch nicht sehen. Wir sind aber dazu berufen, daran zu glauben. Weil wir sehen können, was Gott schon in unsere Mitte geschaffen hat, sind wir dazu ermächtigt.

Jeden Tag werden wir von Gott berufen, die Gründungsgeschichte unseres Glaubens zu studieren. Und jeden Tag werden wir dazu berufen, einander an dessen zukünftige Erfüllung zu erinnern. Wir sind dazu berufen zu glauben, daß der Gott, der in der Vergangenheit aktiv war, noch neue Sachen unserer eigenen persönlichen Zukunft schaffen kann. Vielleicht fühlen wir uns etwas steckengeblieben. Vielleicht fühlen wir uns, als ob wir von Kräften gefangen sind, die außerhalb unserer Kontrolle liegen. Vielleicht können wir uns nicht vorstellen, daß Gott uns befreien kann oder will. Vielleicht sehen wir keinen Weg, auf dem wir wieder nach Hause können, wo Frieden und Wohlergehen wieder zu finden sind.

Aber wir haben die Geschichte. Nicht nur irgendeine Geschichte, sondern DIE Geschichte! Und wir können sicher sein, daß Gott Ströme der Barmherzigkeit und Flüsse der Gnade in unser Leben schickt. Nicht, weil wir es verdient haben, sondern weil Gott gnadenvoll ist, und dem Bündnis treu ist, welches in Christus perfektioniert wurde. Und weil wir so was schon hier gesehen haben. Also, lobe den Herrn, während du auf das Neue von Gott wartest. Gott sei gedankt. AMEN

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

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