April 22, 2018: Easter 4B (Deutsche)

4. Sonntag nach Ostern B: Johannes 10, 11-18 und Psalm 23
Zionskirche, 22. April 2018
Pastor Anke Deibler

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.

Vor einigen Jahren wurde der Sänger Paul Simon für das Fernsehprogramm „60 Minutes“ interviewt. Er erzählte von einem Anruf, den er bekam, kurz nach-dem der Simon & Garfunkel Hit „Mrs. Robinson“ rauskam. Das Lied hat den Re-frain „Where have you gone, Joe DiMaggio, a nation turns its lonely eyes to you.” Eines Tages rief Joe DiMaggio selbst bei Paul Simon an und fragte, was das be-deuten soll. Schließlich sei er nicht weggegangen, sondern als Sprecher für Mr. Coffee sehr sichtbar.

Paul Simon sagte zum Interviewer: „Joe DiMaggio hatte noch nicht ange-fangen, von sich selbst als Metapher zu denken.“

Eine Metapher – das ist, was Jesus benutzt, wenn er von sich selbst als gu-tem Hirten spricht. Jesus ist in Realität kein Hirte, weder damals noch heute. Die meisten Kunstwerke von Jesus als gutem Hirten zeigen kein echtes Bildnis eines arbeitenden Hirten. Die Schafe sind zu sauber und der Hirte in fließenden Gewän-dern und barfuß ist zu unpraktisch.

Wir haben ein Buntglassfenster vom guten Hirten. Es ist in der Ecke dort, das letzte Fenster auf der Taufsteinseite der Kirche. Das Fenster betont, dass das Bildnis vom Hirten eine Metapher ist, denn es zeigt uns den leidenden und aufer-standenen Christus. Dieser Jesus trägt eine Dornenkrone und hat Wunden in Hän-den und Füssen. Gleichzeitig scheint die Herrlichkeit Gottes um sein Haupt.

Opfer und Herrlichkeit sind beide dargestellt. Opfer und Herrlichkeit sind beide Teil von Jesus‘ Predigt vom guten Hirten.

Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. In acht Versen sagt Jesus das fünfmal. Und der gute Hirte bringt Gottes Herrlichkeit in Erscheinung, indem er die Schafe beschützt.

Der gute Hirte ist eine Metapher, die uns ein bisschen fern liegt, denn es ist lange her, dass jemand unter uns einen echten Hirten hat arbeiten sehen, von eige-ner Arbeit als Hirte ganz zu schweigen. Es mag uns schwerfallen, die Metapher selbst zu verinnerlichen; die Sehnsucht aber, die sie hervorruft, die kennen wir gut.

Selbst wenn wir weit von Jesu ländlichem Leben entfernt sind, sehnen wir uns doch nach jemandem, der uns so sehr liebt wie der gute Hirte. Wir begehren jemanden, der stärker und weiser ist und über uns wacht.

Wir, die wir in soliden Heimen aufwuchsen, können uns daran erinnern, wie gut es sich anfühlt, abends ins Bett gebracht zu werden. Unsere Eltern gaben uns einen Gutenachtkuss und wir konnten alle Sorgen ihnen überlassen. Anliegen wie ein leck in der Leitung oder Unwetterwarnungen oder politische Spannungen oder Rechnungen störten unsere Ruhe nicht. Wir kuschelten uns einfach in unsere Kissen und Decken und schliefen ein.

Das ist das Gefühl, nach dem wir uns sehnen; das Gefühl von Vertrauen, dass jemand über uns wacht und uns das Sorgen abnimmt.

Wir sind jetzt älter. Wir haben einiges gelernt über Dinge, die unsere Sicher-heit bedrohen. Wir haben den Wetterbericht verfolgt, wenn Stürme sich näherten. Wir haben auf den Bescheid des Pathologen gewartet. Wir haben den Kummer er-lebt, erst Großeltern, dann Eltern, und schließlich Freunde zu begraben. Wir ken-nen die Wölfe, von denen Jesus heute spricht.

Wir brauchen einen Hirten, der sich um uns kümmert. Wir brauchen einen Hirten, der den Wolf kommen sieht und ihn verjagt. Wir brauchen einen Hirten, der bereit ist, sein Leben zu lassen, um seine Schafe zu behüten. Wir brauchen einen Hirten mit Weitsicht und Weisheit, der uns durch die Herausforderungen des Lebens führt.

Indem Jesus sich als guten Hirten bezeichnet, bietet er an, dieser Führer für uns zu sein. Jesus ist beriet, sein Leben für uns zu lassen. Wie unser Fenster uns erinnert, das ist genau, was Jesus tun wird: er lässt sein Leben für uns am Kreuz und aufersteht, um uns mit der Kraft des neuen Lebens zu segnen.
Ein Kollege hat mir ein Link zu einem TED Talk geschickt, der mir ganz neue Einsicht in Jesus als opferbereiten Führer und Behüter seiner Schafe gegeben hat. Der TED Talk ist von einem Mann namens Simon Sinek.

Herr Sinek begann mit Captain Swenson, dem die Ehrenmedallie des Kon-gresses verliehen wurde. Im Jahr 2008 waren Swenson und seine Kameraden unter Feuer von drei Seiten geraten. Swenson lief in die Schusslinie, um einen verwun-deten Soldaten zu holen und zum Hubschrauber zu tragen. Der Ambulanzhelfer im Hubschrauber hatte eine Kamera am Helm, die aufnahm, wie Swenson den ver-wundeten Kameraden in den Hubschrauber hob, ihm einen Kuss gab, und dann wieder in die Schusslinie lief, um weitere Soldaten zu bergen.

Wo, fragte Herr Sinek, kriegt man solche Leute her? Seine Forschungen zeigten, dass man solche Leute kriegt, wenn die Führung das richtige Milieu schafft.

Das Militär ehrt Menschen, die sich selber opfern, damit andere profitieren.

Die Wirtschaft belohnt Menschen, die andere opfern, um selbst zu profi-tieren.

Das Militär ist voller opferwilliger Menschen; sie sind wie der gute Hirte. Die Wirtschaftswelt ist dazu meistens nicht bereit; sie ist eher wie die Mietlinge, die Jesus erwähnt.

Was genau ist der Unterschied in den Milieus? Egal, wie viele Helden wie Captain Swenson von Herrn Sinek gefragt wurden, warum sie so gehandelt haben, die Antwort war immer die gleiche: „Weil die das auch für mich getan hätten.“ Ein Milieu von Vertrauen und Zusammenarbeit erhebt Menschen und macht sie bereit, sich für andere zu opfern.

Dies geht auf die Zeit der Höhlenmenschen zurück. Der Klan unserer Vor-fahren was von viel Gefahr umgeben: schlechtes Wetter, knappe Nahrung, Säbel-zahntiger und so weiter. Die Gefahr konnten sie nicht kontrollieren. Aber das Mi-lieu innerhalb des Klans schon. Wenn Menschen aufeinander Acht gaben, hatten sie Freiraum, sich sicher zu fühlen und kreativ zu denken.

Der gleiche Mechanismus gilt heute immer noch. Wenn wir uns in unserer Gruppe bedroht fühlen, geht alle unsere Energie in den Kampf für unsere Siche-rheit. Aber wenn wir uns sicher fühlen, wenn wir überzeugt sind, dass die Gruppe uns den Rücken stärkt, dann können wir uns entspannen und fröhlicher und kreativer arbeiten.

Hier sind zwei Beispiele aus der Wirtschaftswelt:

Eines Tages wartete Herr Sinek darauf, sein Flugzeug zu besteigen, als ein Mann versuchte, an Board zu gehen, bevor seine Sitzreihe aufgerufen wurde. Die Bodenstewardess war sehr ruppig mit ihm. Herr Sinek fragte, ob sie den Mann wirklich so rau behandeln musste. Sie antwortete: „Wenn ich die Regeln nicht geltend mache, dann kann ich Schwierigkeiten kriegen oder meinen Job verlieren.“

In anderen Worten, sie fühlte sich nicht sicher und musste kämpfen.

Auf der anderen Seite ist da Robert Chapman, CEO von Barry-Wehmiller Companies, ein Konzern von 1,5 Milliarden Dollars. In der Rezession von 2008 verlor die Firma 30% an Umsatz. Das war ein riesiges Problem. Die Firma musste 10 Millionen Dollars einsparen. Die Direktion traf sich, um Entlassungen zu besprechen.

Aber Herr Chapman weigerte sich, jemanden zu feuern. Wenn er seine An-gestellten zählte, zählte er nicht Köpfe, sondern Herzen, und Herzen sind viel schwerer zu entlassen. Stattdessen führte die Direktion ein unbezahltes Urlaubs-programm ein. Alle Angestellten, von CEO bis Hausmeister, mussten vier Wochen unbezahlten Urlaub nehmen. Sie konnten ihn am Stück nehmen oder übers Jahr verteilt, aber alle mussten es tun. Denn, so sagte der CEO, es ist besser, wenn alle ein bisschen leiden, als wenn einige ganz viel leiden.

Weil alle an dieser Lösung teilnahmen, stieg die Moral sofort. Weil die Ar-beiter sich sicher fühlten, fingen sie an, kreativ zu denken. Sie begannen, Urlaubs-tage zu tauschen. Leute, die es sich leisten konnten, boten an, fünf Wochen zu neh-men, damit andere in knappen Umständen nur drei nehmen mussten. Am Ende sparte die Firma 20 Millionen Dollars und niemand wurde entlassen.

Der Führer selbst war opferbereit, und als Resultat war die ganze Gruppe be-reit mitzumachen. Alle waren bereit, dem Plan des Führers zu folgen, weil er will-lens war, selbst für sie zu opfern. Leute waren bereit, Blut, Schweiß und Tränen zu geben, um die Vision des Führers zu realisieren, weil er ein Milieu von Sicherheit und Fürsorge geschaffen hatte.

Dieser Vortrag gab mir neue Einsicht in die Art von Führer, die Jesus ist. Als guter Hirte ist er opferbereit, willens, sein Leben zu lassen und über alle Scha-fe zu wachen. Er lässt nicht zu, dass auch nur ein einziges Schaf zu Schaden kommt. Durch seine opferbereite Führung kreiert Jesus eine Gruppe von Men-schen, unter denen wir uns sicher fühlen können. Hier stärken uns andere den Rücken. Hier wachen andere über uns.

Als Resultat können wir hier kreativ und großzügig sein. Hier können wir in die Vision unseres Führers Jesus Christus einsteigen, eine Vision vom Gottesreich für alle Menschen. Hier sind wir bereit, Blut, Schweiß und Tränen einzusetzen, um des Herren Vision zu realisieren.

Diese Woche konnte ich das hier in Zion beobachten.

Als ich vor drei Jahren meinen Dienst hier begann, war Zions Finanzlage prekär. Wir fühlten uns überhaupt nicht sicher. Daher wurden all unsere Energie und Mittel in unseren Überlebenskampf investiert.

Nun wurden wir mit einer Erbschaft gesegnet. Sie machte es uns möglich, all unsere Schulden zu bezahlten. Zion ist schuldenfrei! Wir sind sicher!

Mit diesem neuen Geist der Sicherheit sind wir in der Lage, Jesu Vision ge-genüber kreativ und großzügig und glaubenstreu zu sein. Unser Kirchenvorstand beschloss, von der Erbschaft den Zehnten zu geben. Wir werden 10% an die Lan-deskirche abgeben, davon $5,000 spezifisch für die Welthungerhilfe. Unser guter Hirte hat uns mit diesem Geld gesegnet und mit der Sicherheit, die es uns bietet. Nun sind wir bereit zu opfern, um die Vision unseres guten Hirten Realität werden zu lassen.

Unser Herr Jesus Christus ist ein erstaunlicher Führer. Er ist der gute Hirte, der sich für unsere Erlösung opfert. Lasst uns seiner Führung vertrauen. Lasst uns die Sicherheit und Gemeinschaft schätzen, die diese Gemeinde uns bietet. Und lasst uns in diesem sicheren Raum treu und kreativ sein, indem wir unserem guten Hirten in Dankbarkeit dienen. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.

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